Zum Abschluss der diesjährigen Rondellkonzerte gab es noch einmal einen besonderen musikalischen Abend. Die Gruppe „Joharpo“ aus Biberachs französischer Partnerstadt Valence trat in der alten Stadtbierhalle auf. Die vier Musiker waren eigens für ihren Auftritt nach Biberach angereist.
Zunächst begrüßten Stefan Kauschke und Hans-Bernd Sick als Doppelspitze der beiden Vereine „Biberacher Musiknacht“ und „Städte Partner Biberach“, welche den Abend gemeinsam organisiert hatten, die Band und das anwesende Publikum. Kauschke zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Rondellkonzerte und bedankte sich zum Abschluss der Konzertreihe noch einmal beim treuen Publikum sowie den Sponsoren Kreissparkasse Biberach und Kulturamt der Stadt, die sich jeweils an der Finanzierung der Veranstaltungen beteiligt hatten. Weiterhin wurde der Abend gefördert durch den deutsch-französischen Bürgerfonds, der Projekte finanziert, die die deutsch-französische Freundschaft und Europa in der Breite der Bevölkerung erlebbar machen.
Hans-Bernd Sick verwies auf die aktive Städtepartnerschaft mit Valence und freute sich über den französischen Besuch. Der inzwischen traditionelle Einsatz einer Band aus einer der Partnerstädte bei den Rondellkonzerten sei jeweils ein passender Auftakt zu den internationalen Wochen in Biberach im Oktober und November, die dieses Jahr als englische Wochen unter dem Zeichen der Städtepartnerschaft mit dem Tendring District stehen.
Die Band eröffnete dann den Abend mit atemberaubendem Klang und überragender Performance. Das erwartungsfrohe Publikum wurde nicht enttäuscht. „Joharpo“ präsentierte einen spannungsvollen Mix aus Blues und Folk, der von Beginn an die besondere Atmosphäre der historischen Halle aufgriff.


Die Band trat an in der klassischen Besetzung Schlagzeug (Guillaume Cluzel), Bass (Franck Mercier), Gitarre (Seb Genty) und Gesang (Jo Callet), je nach Bedarf aufgepeppt durch Bluesharps, Akkustikgitarre oder auch Banjo – vom deutschsprachigen Bassisten Franck augenzwinkernd als „Bratpfanne mit Stahlseilen“ verspottet, was solle da schon Gescheites raus kommen? Zum klassischen Blues-Repertoire gehörten unter anderem „Ain’t No Sunshine“, „Cat Squirrel“, „Checkin‘ Up My Baby“ und „Dimples“. Dazu kamen folkige und akustisch geprägte Stücke wie „Freight Train“ und „She Belongs to Me“. Mit „Proud Mary“ durfte auch ein bekannter Klassiker nicht fehlen, während Stücke wie „Shake the Boogie“ und „Rock with Me“ die rhythmische und deutlich schwungvollere Seite der Band zeigten.
Besonders interessant war die Mischung aus bekannten Stücken und eigenen Kompositionen. Titel wie „Afghan Blues“, „Arizona“, „Asphalt“, „Line to Life“, „Rope Wanderer“ oder „Underwater“ stammen aus dem eigenen musikalischen Fundus von Joharpo und gaben dem Konzert eine persönliche Note. Die oft ungewöhnlichen Titel lassen bereits erahnen, dass die vier Musiker ihren eigenen musikalischen Weg gehen.
Dabei überzeugten sie mit einem ausgesprochen konzentrierten Zusammenspiel. Große Showeffekte waren dafür gar nicht erforderlich: Die Spannung entstand einfach durch die Musik selbst: Gitarren, Rhythmus und Gesang ließen Raum für längere Instrumentalpassagen und musikalische Dialoge. Das Publikum danke es der Band mit Neugierde, Begeisterungsfähigkeit und reichhaltigem Applaus.
Während die Rondellkonzerte ihren Namen bekanntlich vom Rondell im Stadtgarten haben und wann immer möglich auch dort stattfinden, erwies sich der alternative Veranstaltungsort dieses Mal erneut als Glücksgriff. Wegen der inzwischen deutlich kühleren Abende hatte die Band darum gebeten, das Konzert nicht mehr im Stadtgarten stattfinden zu lassen. Eine goldrichtige Entscheidung, wie der pünktlich zu Konzertbeginn einsetzende Regen anschaulich bewies. Die alte Stadtbierhalle bot den Musikern und ihrem Publikum stattdessen einen geschützten Rahmen – und passte mit ihrem historischen Ambiente erstaunlich gut zum erdigen Sound der französischen Bluesmusiker.
Dass Joharpo aus Biberachs Partnerstadt Valence kommt, verlieh dem Konzert zusätzlich eine besondere Bedeutung. Die vier Musiker brachten nicht nur ihre Musik, sondern auch ein Stück französisches Lebensgefühl nach Biberach. Doch nicht nur dadurch wurde der Abschlussabend der Rondellkonzerte zugleich zu einem kleinen Fest der Städtepartnerschaft: Die Band hatte ihren Auftritt ausdrücklich als „Jam Session“ deklariert und der hiesigen Musikszene angeboten, sich gerne einzubringen. Stefan Leitriz, vergangenen Sonntag noch selbst mit „R.E.D. Gang“ auf der Rondellbühne, nahm das Angebot spontan an und fügte sich im Laufe des Abends mehrmals für einzelne Titel mit Gitarre und Stimme nahtlos in die französische Band ein. Dass in dieser Konstellation noch nie zuvor gemeinsam gespielt geschweige denn geprobt worden war, dürfte dabei niemandem aufgefallen sein. 47 Jahre Bühnenerfahrung machten dies für Leitritz offenbar zu einer leichten Übung, und Musik erwies sich einmal mehr als eine Sprache, die ohne Übersetzung auskommt.
Mit der Zugabe „Rolling home“, dem neuesten eigenen Stück der Band, fand der Abend schließlich einen passenden musikalischen Ausklang. Der Vorhang fiel damit über eine abwechslungsreiche Konzertreihe, die während der Sommermonate wieder viele Musikfreunde zusammengebracht hatte. Zum Abschluss setzte Joharpo noch einmal einen ganz eigenen Akzent – bluesig, folkig und mit französischem Charme.
Für den Biberacher Musiknacht e.V. war es damit ein besonderer Schlusspunkt unter die Rondellkonzerte 2026: ein Abend mit Musikern aus der Partnerstadt, in ungewohnter Kulisse und mit einem Publikum aus 220 Blues-Fans, das sich auf die musikalische Reise von Valence bis Chicago eingelassen hatte. Der Verein freut sich jetzt schon auf 2027 und verspricht seinen Gästen eine weitere attraktive Rondellsaison.


















Text: Arthur Oehlcke, Fotos: Hans-Bernd Sick
