Oberbürgermeister Norbert Zeidler hat am Freitagabend im gut besuchten Foyer des Biberacher Rathauses die Englischen Wochen offiziell eröffnet. Es freue ihn besonders, am Tag nach dem Bürgertag, bei dem ja das Ehrenamt im Mittelpunkt steht und gewürdigt wird, nun ein Veranstaltungsserie mit über dreißig Terminen zu eröffnen, die vor allem durch Ehrenamtliche organisiert wird. Der Verein Städte Partner Biberach (StäPa) sei ein weiteres Paradebeispiel für das lebendige ehrenamtliche Engagement in Biberach. Daher sei er very amused darüber, dass nun die zahlreich erschienenen Besucher zusammen mit den Veranstaltern feiern. Es stünden besondere Wochen an, in denen britische Vibes durch’s Städtle flirren und Lust auf eine Reise Richtung UK machen. Die Englischen Wochen seien durch die Städtepartnerschaft begründet, die Biberach mit dem Tendring District verbindet. Ein Band, das immerhin seit 1991 besteht und aus dem 2001 gar ein Dreierbündnis wurde, dem noch Schweidnitz/Świdnica in Polen angehört.



Die Partnerschaft mit dem Tendring District nahm 1988 ihren Ausgangspunkt in der französischen Partnerstadt Valence, wo Vertreter der Stadt Clacton-on-Sea auf Biberacher trafen. Als an Schützen 1991 die Partnerschaft offiziell besiegelt wurde, war Clacton aufgrund einer Verwaltungsreform im neugeschaffenen Tendring Ditrict aufgegangen. So dass unsere Partnerschaft zu einem ganzen Bezirk besteht. Auch bestehen Verbindungen in die Stadt Colchester, die zwar nicht mehr zu Tendring gehört, aber ein wichtiger Schulstandort ist, an dem auch Deutsch unterrichtet wird. Es sei eine schöne und wichtige Partnerschaft, die mit den Englischen Wochen gefeiert würden, so OB Zeidler. Besonders freue ihn der Besuch aus Tendring, aus dem er Councillor (quasi Kreisrat) Gary Scott, der zusammen mit John Oag und Michael Common nach Biberach gereist war, begrüßen durfte. Des weiteren begrüßte er Sue Sharp, Sue Duffy und Keith Hockley, die alle drei schon seit vielen Jahren in der Tendring Twinning Association aktiv sind, wie auch den Singer-/Songwriter Ben Smith, der die Feier musikalisch umrahmte. Seitens des StäPa begrüßter er launig dessen Vorsitzenden Hans-Bernd Sick und Marianne Wilhelm, als Vorsitzende des Tendring Ausschusses mit für die abwechslungsreichen und interessanten Englischen Wochen verantwortlich. Ferner begrüßte OB Zeidler die Träger der Bürgermedaille Marlene Goeth und Edmund Wiest, sowie eine Reihe von Gemeinderäten und Rätinnen, als auch Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Zusammen mit den vielen am Programm der Englischen Wochen beteiligten städtischen Einrichtungen, Schulen, Vereinen, Lokalen und Geschäften sei dies auch ein deutliches Zeichen dafür, dass die Städtepartnerschaften in Biberach breit verankert seien.
Obwohl Großbritannien und Deutschland in geografischer wie kultureller Hinsicht vergleichsweisenah beieinander liegen würden, gibt es doch jenseits des Ärmelkanals viele kulturellen Gepflogenheiten und Besonderheiten, die faszinierend seien, wie die anstehenden Veranstaltungen zeigten: britische Gartenkultur, Gin-Tasting, Musik, Kino oder tea drinking. Er dankte allen Beteiligten der Englischen Wochen ganz herzlich für ihr Engagement.
Zum Ende seiner Rede ging OB Zeidler noch kurz auf die Tagespolitik ein: Die Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und (Kontinental-)Europa seien vielschichtig und – mit Blick auf den Brexit – nicht immer einmütig. Von der Geschichte Großbritanniens und Deutschlands ganz zu schweigen. Derzeit sei er jedoch zuversichtlich, dass sich in Großbritannien und den Beziehungen dahin manches verbessern wir, denn nunmehr wird das Land von einem Bürgermeister regiert, dem ehemaligen Bürgermeister Manchesters. Und Bürgermeister wüssten sehr gut, wo die Probleme liegen. Trotz der Historie gibt es mehr Verbindendes als Trennendes, neben Vertrautem viel Liebenswürdigkeit, Skurriles, Schönes und den britischen Humor zu entdecken. „Mit den Worten „Lassen Sie uns also dies Verbindende feiern – und immer wieder neu entdecken“ eröffnete er die Englischen Wochen.



Councillor Gary Scott bedankte sich ganz herzlich für die Einladung ins wunderschöne Biberach zu den Englischen Wochen mit schier unglaublichem Programm. Er habe seinen beiden Freunden am Nachmittag Biberach gezeigt, auch sie seien ganz begeistert von den Fachwerkhäusern, Geschäften und Lokalitäten. Er betonte die Bedeutung der Partnerschaft, die Freundschaft und viele Möglichkeiten für die Bürger kreiert. Auch Cllr. Scott betonte, dass die angestoßene Annäherung zwischen GB und Europa sehr wichtig sei. Er persönlich, auch wenn er einer anderen Partei angehöre, wünsche Premier Burnham viel Erfolg dabei, diese Annäherung fortzuführen und ihn würde es freuen, wenn Großbritannien bald wieder der EU beitreten würde.
Marianne Wilhelm, die Vorsitzende des Tendring-Ausschusses im StäPa, wies auf einige der Highlights im Programm der Englischen Wochen hin. Dann stellte sie die beiden Künstler vor, die derzeit im Rathaus-Foyer ausstellen. Den Maler Tim Knight kenne sie seit bereits 25 Jahren, seit sie seine Eltern anlässlich des 10-jährigen Partnerschaftsjubiläum bei sich beherbergte. Seitdem besteht eine freundschaftliche Beziehung zwischen den Familien. Tim hat bereits als Kind ein ausgeprägtes Talent für das Malen gezeigt, Zeichnen war seine Freizeitbeschäftigung. Nach seinem Studium versuchte er sich an verschiedenen Stilen. In den 90er Jahren schuf er zum Beispiel große Wandgemälde, murials. Anfang der 2000er verzerrte Stadtansichten, jedoch immer gegenständlich nie abstrakt. Die neuesten Bilder, die er extra für diese Ausstellung angefertigt hat, erinnern stark an Künstler wie Constable, Turner: Landschaftsdarstellungen mit angedeuteten Menschen, Häusern und viel Himmel.

Auch zwischen Pauline Schlamkow und Mitgliedern des Tendring-Ausschusses gibt es eine langjährige Freundschaft. Pauline sei in ihrem 80-jährigen Leben schon viel herumgekommen, ihre Werke sind jedoch erst in den letzten Jahren entstanden. Mit Beginn ihres beruflichen Ruhestands kehrte sie mit ihrem deutschen Mann an den Ort ihrer Kindheit zurück und begann aus den Fundstücken vom Strand dekorative Wandbilder anzufertigen. „An den Glasstücken“, sagt sie, „zeigt sich, welche Kraft das Meer hat. Was vorher scharf, verletzend war, wird weich, erfreut uns“.
Die Werke beider Künstler können erworben werden. Die Ausstellung kann bis zum 23. Oktober zu den Öffnungszeiten des Rathauses besucht werden.
Englischer Markt
Am Morgen nach der Eröffnungsfeier fand der Englische Markt bei klischeehaft-typisch englischem Regenwetter statt. Trotz der widrigen Bedingungen (auch wenn der Regen für unsere Natur so wichtig ist…) fanden sich etliche Interessenten ein, angelockt durch die begehrten, typischen britischen Spezialitäten und durch den sympathischen Singer-Songwriter Ben Smith aus Suffolk. Er bekam für seinen Auftritt mit samtiger Stimme, abwechslungsreichem Gitarrenspiel und seinen eigenen Songs sowie Coverversionen von Hits aus den letzten 50 Jahren viel Beifall. Er schaffte es, mit seinen meist Gute-Laune-Songs die Stimmung trotz des feucht-kühlen Wetters hoch zu halten. Das Marktteam, bestehend aus den britischen Gästen sowie Mitglieder des StäPa, war den ganzen Morgen über gut beschäftigt. Councillor Scott zeigte dabei großes Talent beim Beraten und Verkaufen. Auch das Irish Stew, das es mit Lamm oder als vegetarischen Eintopf gab, fand guten Absatz. Zudem wurde kräftig Werbung für die anstehenden Englischen Wochen gemacht, die Flyer mit dem Programm kamen sehr gut an. Zwar ordentlich durchnässt, aber doch sehr zufrieden, wurde der Marktstand abgebaut.





Text & Fotos: Hans-Bernd Sick
